Krisenbewältigung in Beziehungen (5 praktische Tipps)

Krise in der Beziehung: Was Sie tun können

Ist die erste Verliebtheit vorüber, kann es passieren, dass Alltag in eine Beziehung einkehrt. Mit ihm können auch Probleme kommen, für die das Paar gemeinsame Lösungsansätze finden sollte.

Gibt es dabei Schwierigkeiten, kann man sich bei der Krisenbewältigung externe Hilfe holen.

Wie Beziehungskrisen entstehen

Beziehungskrisen werden häufig erst spät erkannt. Die Partner spüren jedoch schon länger, dass sich etwas zwischen ihnen nicht mehr ganz richtig anfühlt.

Sie versuchen des Öfteren, dieses unbestimmte Gefühl zu ignorieren und leben weiter wie bisher. Dabei kann es passieren, dass sie sich immer weiter voneinander entfernen.

Unterdrückte negative Gefühle können Spannungen verursachen. Werden sie für den einen Partner unerträglich, spricht er den anderen auf das Problem an. Haben sich beide noch nicht sehr weit voneinander entfernt und wurde noch nicht viel Frustration aufgebaut, gelingt die Aussprache in den meisten Fällen und eine positive Krisenbewältigung ist möglich. Schwierig wird es jedoch, wenn einer der Partner die Gesprächsversuche sabotiert.

Für Beziehungskrisen gibt es diverse Gründe

Ein Partner fühlt sich dauerhaft vernachlässigt.

Die finanziellen Schwierigkeiten nehmen überhand.

Ein Partner geht fremd.

– Die Partner sind sich über die Kindererziehung nicht einig.

– Stress am Arbeitsplatz wird in die Beziehung getragen.

– Außenstehende mischen sich in die Partnerschaft ein.

Es kommt zu häuslicher Gewalt.

– Ein Partner hat die Scheidung eingereicht.

Beziehungskrise

Krisen in einer langfristigen Beziehung sind häufig

Typische Anzeichen von Beziehungskrisen

Genauso vielfältig wie die Gründe sind auch die Anzeichen von Beziehungskrisen. Einer der Betroffenen zieht sich innerlich zurück und weicht dem Partner immer öfter aus.

Er erfindet Ausreden, warum die überfällige Aussprache nicht stattfinden kann. Mitunter geht er sogar physisch auf Distanz, indem er mehr Zeit außerhalb des Wohnortes verbringt und auch im Haus auf dem Sofa im Wohnzimmer übernachtet.

Einer der Partner oder beide können auch immer häufiger gereizt reagieren. Gelingt es an diesem Punkt nicht, miteinander ins Gespräch zu kommen und die Beziehungskrise gemeinsam zu bewältigen, kann es sogar zu Gewalt in der Beziehung kommen.

Sowohl Männer als auch Frauen können in einer Krise physisch gewalttätig werden (Interview mit der Männerberatung Wien, Quelle und eine portugiesische Studie, über die unter folgender Seite berichtet wird).

Spüren Sie, dass sich Ihr Partner immer mehr distanziert, handeln Sie bitte so rasch wie möglich. Staut sich die Frustration länger auf, kann es bis zum Auftreten verschiedener psychosomatischer Beschwerden wie Schlaflosigkeit und Magenproblemen kommen.

Ist häusliche Gewalt im Spiel, bleibt oft nur noch die Trennung als einzige Option. Kann die Beziehungskrise sogar unter Einbeziehung einer Konfliktberatung nicht mehr gelöst werden, reicht der Betroffene häufig die Scheidung ein.

Im Folgenden erfahren Sie, welche Möglichkeiten Sie bei der Krisenbewältigung haben.

1. Suchen Sie das Gespräch

Sprechen Sie Ihren Partner in einer entspannten Situation auf das Problem an. Vermutlich wartet er sogar darauf, dass Sie den ersten Schritt tun.

Verzichten Sie dabei, wenn möglich auf Vorwürfe, Verallgemeinerungen und Beleidigungen. Drängen Sie ihn in die Defensive, benötigen Sie wahrscheinlich bald die Krisenhotline.

Leiten Sie das klärende Gespräch zum Beispiel mit einem guten Essen ein. Sagen Sie Ihrem Partner, dass Sie die gegenwärtige Situation seelisch belastet und das Sie eine für beide Parteien befriedigende Lösung wünschen. Vermeiden Sie dabei Kritik und Schuldzuweisungen.

Erinnern Sie ihn an die glücklichen Zeiten, die Sie miteinander hatten. Und daran, dass Sie schon verschiedene Schwierigkeiten gemeinsam bewältigen konnten. Vermeiden Sie bitte Formulierungen wie „DU machst immer mehr ohne mich“. Sagen Sie stattdessen „ICH möchte mehr mit dir unternehmen“.

Indem Sie Ihre eigenen Wünsche formulieren, geben Sie Ihrem Partner die Gelegenheit, auf den Vorschlag einzugehen, oder einen Gegenvorschlag zu machen.

Hören Sie ihm geduldig zu, auch wenn es möglicherweise schmerzt, was er Ihnen zu sagen hat. Bitte unterbrechen Sie ihn nicht, wenn er sich Ihnen nach längerem Schweigen öffnet.

Fielen bereits unschöne Worte, bitten Sie ihn um Verzeihung. Ein Beispiel: Fühlen Sie sich mit der Kindererziehung überlastet, bitten Sie ihn, mehrere Male pro Woche früher Feierabend zu machen und sich dann um Ihr Kind zu kümmern.

2. Nehmen Sie professionelle Hilfe in Anspruch

Die Hilfe einer Konfliktberatung kann sinnvoll sein, wenn unverarbeitete Erfahrungen Ursache der Beziehungskrise sind.

Hatte Ihr Partner zwischenzeitlich eine Affäre, sind Sie vermutlich sehr verletzt und misstrauen ihm. Dies ist natürlich verständlich, entfernt Sie aber weiter voneinander.

Liegt Ihnen etwas an einer positiven Krisenbewältigung, reichen Sie ihm stattdessen die Hand. Fragen Sie ihn, was Sie tun können, damit er sich wieder mehr für Sie interessiert.

Fühlte sich Ihr Partner vernachlässigt, nehmen Sie sich mehr Zeit für ihn.

3. Wie Sie mit alten Wunden umgehen

Brechen bei Ihrem Partner alte Kindheitswunden auf und versucht er, darüber mit Ihnen zu sprechen, hören Sie ihm aufmerksam zu.

Versuchen Sie, sich in ihn hineinzuversetzen. Fragen Sie ihn, wie Sie ihn zukünftig besser unterstützen können.

Vermeiden Sie Verhaltensweisen, die ihn an sein altes Trauma erinnern. Ein Beispiel: Ihr Mann hatte eine dominante Mutter, die ihn und den Vater ständig bevormundete. Nörgeln Sie oft an ihm herum, zieht er sich wahrscheinlich immer mehr von Ihnen zurück.

Formulieren Sie Ihre Kritik lieber als Vorschlag: Statt „Warum hast Du Dich schon wieder nicht um unser Kind gekümmert?“ fragen Sie „Was hältst Du davon, wenn Ihr mal zusammen ein Eis essen geht?“.

4. Pflegen Sie Ihre Gesprächskultur

Haben Sie sich einander angenähert, nehmen Sie sich zukünftig einmal wöchentlich Zeit für ein konstruktives Gespräch.

Richten Sie sich einen festen Termin ein, an dem Sie und Ihr Partner genügend Zeit haben. Sorgen Sie dafür, dass Sie in dieser Zeit von niemandem gestört werden.

Teilen Sie einander möglichst sachlich mit, was Sie an ihm gut und was Sie nicht so gut finden. Vermeiden Sie aber wenn möglich negative Äußerungen.

Halten Sie Ihre Kommunikation auf diese Weise lebendig und bauen Sie Ihre Beziehung auf einer gesünderen Basis auf.

5. Geben Sie einander mehr Freiraum

Benötigt Ihr Partner mehr Zeit für sich, bestimmen Sie gemeinsam, welche Aufgaben weiterhin zusammen erledigt werden (Haushalt, Kindererziehung). Lassen Sie ihn unbedingt auch einmal allein seinen Hobbies nachgehen oder etwas mit seinen Bekannten unternehmen.

Häusliche Gewalt: Männer als Betroffene

Gelingt die Krisenbewältigung nicht, kann es zu Gewalt in Beziehungen kommen. Eskalierende Partnerschaftskonflikte verlaufen häufig nach folgendem Schema:

– Ein Partner hat ein Bedürfnis, das er befriedigen muss, aber nicht kann.

– Er äußert es dem Anderen gegenüber.

– Wird es nicht erfüllt, ist er frustriert.

– Er wird zornig, wenn die Frustration nicht nachlässt.

– Wird aus Frustration Aggression, kommt es zur Beziehungskrise.

Dann reicht schon ein falsches Wort aus, um gewalttätiges Verhalten hervorzurufen. Befindet sich Ihre Beziehung an diesem Punkt, lässt sich der Konflikt erst nach einer Deeskalation lösen. Holen Sie sich dazu wenn möglich professionelle Hilfe, zum Beispiel bei unserer 24 Stunden Notfallsnummer vom Männernotruf wo wir Sie kostenlos und anonym beraten: 0800 246 247.

Wann eine positive Konfliktbewältigung nicht mehr möglich ist

Ist Ihre Beziehung trotz diverser Aussprachen immer noch nicht harmonischer, kann dies an

– tief sitzendem Misstrauen gegenüber dem Partner

– dauerhaft fehlendem Respekt

– notorischer Untreue

– physischem Unwohlsein mit dem Partner oder

– Gewalt in der Beziehung

liegen. Stellen Sie einen oder mehrere dieser Gründe fest, holen Sie sich bitte professionelle Unterstützung oder ziehen das Beenden der Beziehung in Erwägung.

Formen der Beziehungsgewalt

Gewalt in Beziehungen kann in verschiedenen Formen und sogar kombiniert auftreten. Verbale Gewaltausbrüche äußern sich mit Beleidigungen, Anschreien, permanenter Kritik und Drohungen. Psychische (emotionale) Gewalt zeigt sich in Form von Schuldzuweisungen, Einschüchterungen, Demütigungen, absichtlicher Ignoranz und ständigen Kontrollen.
Wendet Ihr Partner soziale Gewalt an, ist es durchaus möglich, dass er versucht Sie zu isolieren.

Männer als Gewaltopfer

Forschungsergebnisse aus Deutschland, wie zum Beispiel eine im Auftrag der Männerarbeit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) durchgeführte Untersuchung (Quelle: https://www.welt.de/partnerschaft/article10874913/Maenner-haeufiger-Opfer-von-Gewalt-als-Frauen.html) kommen zu dem Ergebnis, dass Frauen fast gleich oft Täter wie Männer in Beziehungen sind. Die Form der Gewalt unterscheidet sich jedoch.

Diese setzen sich ihren gewalttätigen Partnerinnen gegenüber seltener zur Wehr. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass Frauen meist ihre Worte als Waffe benutzen und Männer dies nicht so gut verbal kontern können. Außerdem sehen es zum Glück viele Männer als unehrenhaft an, einer Frau Gewalt anzutun.

Was Sie als Gewaltopfer tun können

Bei dem Männernotruf gehen häufig Hilferufe von Männern ein, die Opfer von Gewalt in der Beziehung wurden. Viele aus der Wohnung ausgesperrte Männer kontaktieren die Männerberatung, weil sie eine Übernachtungsmöglichkeit benötigen. Der Grund: In Österreich gibt es für männliche Gewaltopfer keine speziellen Unterkünfte.

Laut Gerichtsbeschluss darf er sich der gemeinsamen Wohnung nicht mehr nähern (Wegweisung), obwohl sich dort noch seine persönlichen Gegenstände und Dokumente befinden.

Werden Sie von Ihrer Partner angegriffen schlagen Sie bitte nicht zurück, weichen Sie aber ihren Attacken aus (Deeskalation). Greifen Sie sich Handy, Schlüssel und etwas Geld und verlassen Sie schnellstmöglich die Wohnung.
Sind Ihre Kinder ebenfalls Gewaltopfer, nehmen Sie sie möglichst mit.

Holen Sie sich externe Hilfe

Benötigen Sie eine Männerberatung, ist die anonyme Krisenhotline https://maennernotruf.at Ihre erste Anlaufstelle. Sie ist rund um die Uhr und jeden Tag erreichbar und bietet ein kostenloses sowie professionelles Hilfsangebot.